Im Gespräch mit Christoph Pohl, der mich mit seinem guteMedien TAXI besuchte.
Durch die Medialisierung persönlicher Perspektiven im Netz können Zusammenhänge verschiedener Interessenbereiche besser nachvollzogen werden. Die Vernetzung fördert die Produktion von ideellen und materiellen Gütern und vereinfacht die Kollaboration. Dabei erfährt sich das Individuum vermehrt als Teil eines kollektiven Ganzen. Neue Kategorien, wie die Vorstellung einer "Globalen Gemeinschaft", ergänzen zusehends traditionelle Sinngaranten, wie Familie oder Nation.
8/02/2008
Sinngaranten
1/19/2008
Vilém Flusser - Informationsgesellschaft
Vilem Flusser beschreibt in seinem Vortrag den Begriff der Informationsgesellschaft als eine telematische (von Technobildern, virtuellen Umgebungen und Verbindungen geprägte) soziale Form, bei der immer mehr Gewicht auf das Erzeugen von reinen Information, statt auf das Erzeugen von informierten Gegenständen gelegt wird.
In Bezug auf die Informierung der Natur zu Gegenständen werden wertfreie, natürliche Materialien durch Information/Ideale/Ideen zu wertvollen Objekten der Kultur geformt, informiert oder verwertet. Der Abfall ist dann wiederum wertlos und geht wieder in die Natur über, womit ein Kreislauf aus wertfrei-Verwertung-wertvoll-wertlos-wertfrei entsteht.
Die Formen, Werte oder Informationen sind keine universellen platonischen Ideen, sondern wandelbare aristotelische Modelle, die sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Das Ausarbeiten von Ideen beruht auf der phänomenologischen Auseinandersetzung mit der Welt. Es gibt somit keine unabänderlichen idealen Formen, alle Werte sind Folgen eines akzeptierten Konsens. Die Geschichte (das Aufstauen der Information in Medien (Long tail)) führt zur Verbesserung der Formen. Umgekehrt werden durch die Verwertung der Natur in arbeitsteiligen Gesellschaften, Berufe ausdifferenziert.
Der bürgerliche Begriff der Arbeit unterscheidet nicht die Software- und die Hardwarephase, also die Ideenfindung und Prozessentwicklung, von der eigentlichen Produktion der Güter. Der Wert eines Produkts entsteht durch dessen Erfindung, nicht durch dessen Produktion. Die Quelle der Werte ist der Designer, der Programmierer. Die harte Phase der Arbeit, die Produktion, ist menschenunwürdig und wird vermehrt von Maschinen übernommen. Der eigentliche Kern der Informationsgesellschaft sei der Wandel der Arbeit von der Produktion hin zur kreativen Ideenfindung, Formen und Werte auszuarbeiten, nach Codes, die sich immer mehr verfeinern. Der größte Teil der Menschheit ist dieser Codes jedoch noch nicht mächtig.
Informationsgesellschaft ist ein Synonym für die telematische Gesellschaft, welche ein Netzwerk darstellen könnte, das alle Menschen und ihre Maschinen, in sich einverleibt, wobei Strukturen, wie die der Familie und der Nation zusehends verfallen. Menschen sind Knoten von Bindungen, manche sind gegeben, wie die familiären, andere sind gewählt, wie die Bindungen in der Liebe, der Freundschaft oder der Arbeit. Diese Freiheit wählbarerer Bindungen zu nutzen macht den modernen Menschen aus.
Das Individuum existiert nicht als Entität, es ist zusammengesetzt, wir sind nicht Etwas, sondern ein "wie sich in Bindungen verknoten". Das "Ich" ist somit ein Relationsbegriff, "Ich ist das Du des Du". Das intersubjektive Feld erscheint als virtueller Raum, in dem die einzelnen Individuen Verknotungen sind. (Interviduum)
Der Zeitbegriff wandelt sich von der Vorstellung eines Stroms, der von der Vergangenheit in die Zukunft fließt, keine Gegenwart besitzt und alles mit sich reißt, zu einem Verständnis der Zeit, welche aus allen Richtungen (Geschichte und Vorstellung?) auf die Gegenwart einströmt, wo sie sich in abrufbares Gedächtnis verwirklicht oder vergessen wird. Somit wird der Bereich der Gegenwart in Form von Gedächtnis und Verbindungen vergrößert. Dieses Näherbringen von raumzeitlichen Aspekten der Wirklichkeit, ihr Hineinreichen in unsere Gegenwart, wird durch die Vorsilbe "Tele" bezeichnet. Die Telematik fördert somit die Liebe zu den so Nähergebrachten, zum Ganzen der Menschheit.
Am Horizont taucht somit eine neue Möglichkeit auf, eine Situation, worin wir uns erstens mit dem beschäftigen können, was menschlich ist, nämlich Informationen herzustellen, also gegen alle Gesetze der Natur, Informationen zu speichern, zu organisieren und weiter zu geben und somit gegen die natürliche Entropie zu arbeiten. Zweitens entsteht die Möglichkeit einer theoretischen und praktischen Nächstenliebe.
12/12/2007
Heterarchie der Kommunikation
Von nun an betrügen wir uns selbst, wenn wir statt etwas zu lernen oder einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, immer noch bloß konsumieren oder kapitalisieren. Doch wird sich das Verhältnis der bloßen Unterhaltung gegenüber sinnstiftenden Inhalten durch dem Umzug des Fernsehens ins Internet wirklich verschieben können? Die einzige Hoffnung liegt in der Nähe, welche die verschiedenen Inhalte nun zueinander haben und dass die Vermischung und Fragmentierung an vielen Stellen inspirierende Kräfte freisetzt. Das Netz ist voll von kurzlebigen Informationen, die vor allem durch ihren Neuigkeitswert erregen. Alle anderen Inhalte hingegen, welche den Blick auf einen sinnvollen Gesamtzusammenhang zu richten im Stande sind, ziehen durch ihre Vernetzung auf Dauer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Somit mögen sie zu einem gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein beitragen, welches das Fundament einer nachhaltigen und solidarischen Weltgemeinschaft darstellt.
Fernsehen
„Bei aller Schnelllebigkeit und trotz aller neuen und kommenden technischen Entwicklungen – das grundlegende menschliche Bedürfnis, sich zurückzulehnen, zu entspannen und sich unterhalten zu lassen, bleibt unverändert. Und genau hier liegt die Stärke der Fernsehindustrie.”
--Gerhard Zeiler
Die Digitalisierung des Fernsehens geht momentan mit einer Verlagerung ins Internet einher, da hier die technologischen Voraussetzungen für die Interaktivität bereits gegeben sind. Neben dem bisher bekannten Streaming linearer Inhalte etablieren sich bereits On-Demand Angebote auf den diversen Internetseiten der bekannten Senderportale. Der gestreamte Bereich im Stil des alten Fernsehens, bietet lediglich noch eine Ergänzung zu anderen Verbreitungswegen.
Die Digitalisierung ist gekennzeichnet durch die immer schneller zunehmende Fragmentierung der Zuschauermärkte, die Entstehung neuer Verbreitungswege, und die Entwicklung gänzlich neuer Unterhaltungsformen. Die Fragmentierung des Mediums verläuft dabei komplementär zu der Spezialisierung der Interessen seitens der Rezipienten. Die bekannten Vollprogramme des Fernsehens werden dabei unrentabel, denn die Erweiterung des Internets um das bewegte Bild bietet in seiner Gesamtheit ein demokratisches und dynamisches Vollprogramm.
Was das traditionelle Streaming angeht, wird sich das zeitintensive Zudrönen mit festgelegten Inhalten, auf Dauer nicht gegen das on-Demand Angebot wählbarer Inhalte halten können, da die Akteure einer durch Technologie beschleunigten Gesellschaft, aus Zeitknappheit und Überangebot, dazu tendieren, ihren Interessen gezielter nachzugehen. Diese Entwicklung wird vom Wechsel der Konsumentengeneration beschleunigt, welche durch den Einfluss der neuen Formate nur noch ihre spezifischen Interessen, seien es auch die ihrer Peergroup, nachzugehen gewohnt sind, und für die eine mangelnde Interaktion unbefriedigend geworden ist. Das Streaming-Format wird natürlich in allen Sparten immer noch seine Zielgruppen finden, wobei ein kontemplatives „sich berieseln lassen“ im Vordergrund stehen wird, eine Art Entspannungsfernsehen. Alteingesessene Sender und Produktionsfirmen, die auf Unmengen preiswerten Archivmaterials zurückgreifen können, wie z.B. die BBC, haben hier sicher einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dieser Vorsprung traditioneller Senderfamilien, in Form archivierten Materials, wird jedoch, aufgrund der Konkurrenz zu freien Inhalte im gleichen Medium, auf Dauer keine direkte Rendite erzielen können.
Das On-Demand Angebot wächst derzeit im Verhältnis zu der Anzahl gestreamter Inhalte rasant an, wobei die Finanzierung über Pay-per-View oder Werbeeinblendungen läuft. Werbeschaltende Firmen kooperieren direkt mit individuellen Clipproduzenten, wobei der ehemalige Umweg über Produktionsfirmen oder Kanalbetreiber umgangen wird. Filmemacher und Künstler werden direkt gesponsort, was in vielen Fällen die Grenze zwischen Werbeclip und Kunstprodukt verwischt.
Dabei stellt sich die Konkurrenz zu den kleinen Produzenten, für die Großen meist als Wettbewerbsnachteil heraus, denn auch individuelle Produzenten können heute preiswert, qualitativ hochwertiges Material, mit meist höherem Innovationsgrad erzielen. Wächst die Flexibilität größerer Strukturen, wächst aber auch ihre Anziehungskraft auf Kreative.
Es ist zu hoffen und dies lässt sich heute schon an vielen gereiften Internetkonsumenten beobachten, dass durch das gezielte Wählen, zum einen die Medienkompetenz gefördert wird, zum anderen der zeitintensive Umgang mit dem Überangebot, ein Bewusstsein für Lebensaspekte jenseits des Medienkonsums fördert. Rezipienten werden sich in Zukunft ihre Inhalte nach ihren Interessen auswählen, und auch bereit sein, für die spezifischen Beiträge direkt zu bezahlen, in Form von Werbegenuss, Kauf, Sponsoring oder Spende. Und obwohl jeder nur sieht, was er sehen will, kann dieses fragmentierte System, im Verhältnis zu den realen Kosten, eine höhere Rendite erzielen, als das alte, da es effizienter und gezielter arbeitet. Eine Win-Win Situation.
Die jederzeit abrufbaren Informationen stellen sich aber vor allem aus zwei Richtungen als wichtige gesellschaftliche Entwicklung heraus; einerseits schafft dieses immer offene Gedächtnis, der Gesellschaft als Ganzes und den Individuen im besonderen, die Möglichkeit der Erinnerung, was gerade in Form von Bildern und Tönen, ein starkes Bewusstsein für historische und überregionale Zusammenhänge ermöglicht. Zum zweiten verschiebt sich durch die Speicherung, unterstützt durch die semantischen Verknüpfungen, der Mehrwert des Netzes vom aktuellen Prozess, hin zu seiner zusammenhängenden Struktur und den Möglichkeiten des Informationsvergleiches.
Das Nebeneinander der Schrift- und Bildzeichen, das Aneinandergrenzen der Bücher mit dem Fernsehen, mag auf Dauer dafür sorgen, das die Reflexionsbereitschaft der Massen zunimmt, da sie stets der Gefahr ausgesetzt sind, versehentlich, an die für komplexere Zusammenhänge nötigen Informationen zu stoßen. Die Entscheidung für ein digitales BILD-, SPIEGEL-, SÜDDEUTSCHE-, LE MONDE DIPLOMATIQUE-, oder HEISE-Abonnement bleibt zwar immer noch dem Leser überlassen, doch führen Suchfunktionen zu vergleichenden Methoden, welche die Grenzen des Bewusstseins und die individuellen Interessen zu vertiefen im Stande sind. All die Faktoren hängen natürlich maßgeblich von den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen ab, denn solange das ewig Neue seine willigen Abnehmer findet, wird es sich natürlich auch finanzieren lassen.
Nachrichten

Die Tendenz zur Informierung über die eigenen Interessen, weg von den Untaten und Schrecken der Zivilisation, welche in den etablierten Nachrichtensendungen vermittelt werden, haben eine Individualisierung der Informiertheit zur Folge. Doch wie stellt man in solch dezentralen Systemen die Informiertheit der Bürger sicher, welche die Basis der Demokratie und die innere Homogenität einer Zivilisation ausmacht?
Die Nachrichtenportale, allen voran Google mit seinem personalisierten Desktop, vereinen Schrift, Foto, Video und Tonaufzeichnungen, werten aktuelle Datenbanken aus und gestatten einen bislang ungeahnten Zugang zu aktuellen Informationen. Dabei wählt man sich, wie bisher auch, seinen Nachrichtenproduzenten aus, der dem eigenen Qualitätsanspruch genügt. Die Informationsvermittlung kann dabei z.B. in der Aufteilung nach internationalen, themenspezifischen und regionalen Textblöcken sowie Videos erfolgen.
Die Möglichkeit, aktuelle Nachrichten globaler Datenbanken nach persönlichen Interessen zu durchsuchen, ermöglicht eine ständige Informiertheit in einem gewissen Themenbereich. Durch die Kombination von Suchbegriffen lassen sich Themenkomplexe auf regionale Aspekte begrenzen. Diese Spezialisierung geht natürlich mit einer gewissen Desinformiertheit in anderen Bereichen einher.
Auch die zusammengefasste Blogosphäre der individuellen Nachrichtenproduzenten, ermöglicht, neben den etablierten Senderfamilien, die Informierung über aktuelle Ereignisse aus individueller Perspektive, wobei die Präsenz der Nachricht vornehmlich von ihrer quantitativen Vernetzung abhängt. Wenn eine Information genug Aufmerksamkeit generiert, wird sie im System öfter vorhanden und somit in einer zweiten nach Quantität bewerteten Ansicht im Nachrichtenfenster sichtbar sein.
Die Vermischung aller Rezeptionsformen ermöglicht eine schnelle Übersicht und spart Zeit. Überschriften und Bilder ermöglichen ein schnelles oberflächliches scannen, Textbeiträge bieten die Möglichkeit, Tatsachen und komprimierte Zusammenhänge zu erfassen, sowie Verweisstrukturen zu verfolgen. Videos bilden Fenster in die Welt und vermitteln emotionale und räumliche Aspekte spezifischer Ereignisse. All diese Formen der Rezeption verweisen aufeinander und ergänzen sich gegenseitig.
Die zunächst, in vielen Fällen als problematisch wahrnehmbare Vermischung individueller Meinungsäußerungen, mit den vermeintlichen Tatsachenberichten der Nachrichten, trägt jedoch auf lange Sicht zu einer Politisierung der Menschen bei. Essayartige Stellungnahmen, welche versuchen, Zusammenhänge und dessen Kompliziertheit zu reduzieren, dabei mit einer kreativen Leistung eine persönliche Position zu beziehen, inspirieren den Rezipienten zu einer Teilnahme an den jeweiligen Diskursen.
„Wir werden unsere Inhalte, in die wir viel Geld investiert haben, nicht an Dritte verschenken, damit diese dann das Geschäft machen – oder am Ende überhaupt niemand mehr ein Geschäft macht (siehe Musikindustrie), ... Digitalisierung bedeutet langfristig auch Verschlüsselung… Ohne einen ausreichenden Schutz unserer Inhalte wird die digitale Welt einfach nicht funktionieren.“
-- Gerhard Zeiler
Datenkapital
Bei staatlichen Rundfunksendern ist der Schritt ins Netz keine Kür, sondern eine Pflicht, denn die Rezipientenfreiheit gewährleistet die Informiertheit der Bürger. Das Recht des Volkes, ohne Kostenaufwendungen auf Inhalte zugreifen zu können, ist hier offensichtlich, schließlich werden die Inhalte aus der Gemeinschaft der Steuerzahler finanziert. Internationaler Zugriff auf diverse nationale Inhalte ist durch die Struktur des Netzes ebenfalls garantiert und bedeutet keinen Mehraufwand. Somit wird eine Verschiebung nationaler Bürgerrechte hin zu allgemeinen Menschenrechten gestärkt, und die Auflösung der Wahrnehmung nationaler Grenzen beschleunigt.
Die profitorientierte Perspektive eines privatrechtlichen Unternehmens gerät momentan hingegen mit der Realität in Konflikt, die durch den technologischen Wohlstand geschaffen wurde. Der wachsende Anteil junger und alter Menschen hat genügend Zeit, die preiswerten und teilweise kopiergeschützten Informationsangebote zu nutzen, sowie auch konkurrierende Inhalte selbst zu produzieren. Da die Verbreitung von digitalen Inhalten keine Kosten verursacht und die Technologie keine natürlichen Schranken aufweist, da kein Trägermedium kopiert werden muss, werden die Inhalte konsequenter Weise frei verfügbar. Aus einer vernetzten Perspektive muss man sich das folgendermaßen vorstellen:
Das Internet ist ein einheitliches Medium, innerhalb dessen nichts kopiert werden muss, um verbreitet zu werden. Kostenintensive Kopien, im Sinne reproduzierter Trägermedien, sind nicht mehr notwendig. Alles, was einmal ins Netzwerk hineinkommt, ist sofort an allen Punkten des Netzes vorhanden. Informationen können, ohne ihre materiellen Träger, frei fließen. Dies ist die Natur eines relativ raum-zeitlosen Datennetzes, wie dem Internet. Seine verteilte, heterarchische Struktur beschleunigt dabei den nichtlinearen Informationsfluss. Das Kopierrecht ist somit deshalb hinfällig geworden, weil alles im einheitlichen Medium stets gleichzeitig vorhanden ist und nicht von irgendwoher nach irgendwohin „kopiert“ werden kann/muss.
Eine Information kann im Netz aber dennoch kapitalisiert werden, hierzu gibt es verschiedene Modelle:
Man kann die Daten verschlüsseln. Doch abgesehen davon, dass bisher jedes Verschlüsselungssystem letztendlich geknackt worden ist, weil dies in der Natur des Codes liegt, stehen die verschlüsselten Inhalte immer in Konkurrenz mit freien Inhalten, was einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil bedeutet.
Man kann bei der Einspeisung ansetzten. Bevor eine Einspeisung von Inhalten ins Netz erfolgt, muss eine Interessengemeinschaft die hierfür aufgewendeten Kosten plus Gewinnspanne aufbringen. Fortan wird das Produkt Public Domain und steht jedem kostenlos als Information zur Verfügung. Schon heute finanzieren Interessengruppen auf diese Weise das Album ihrer Lieblingsband, und Programme von Videomachern. Diese Finanzierungsart kann auch zur Minimierung der Investitionsrisiken, vor die eigentliche Produktion gesetzt werden. Ist die Nachfrage für eine bestimmte Sendung vorhanden, wird sie von einer Interessengruppe vorfinanziert.
Man kann bei der Verantwortung in einem globalen Netz ansetzen, welches wesentlich größer ist, als bisher bekannte Märkte und deshalb ganz andere Gewinnspannen zulässt. Beispiele wie Wikipedia zeigen, dass sich Produkte über freiwillige Spenden durchaus finanzieren lassen. Das von der Freiwilligkeit getragene Wirtschaftskonzept wird sich letztendlich durchsetzen, da es das einzig faire Prinzip darstellt. Die hier erzielten Gewinne finanzieren das Leben der Produzenten, sowie weitere Projekte, wobei kein überflüssiger Wohlstand angehäuft wird und das Geld stets wieder in seinen Kreislauf zurückkehrt, was ein ungeheurer Produktionsmotor ist und auch eine wesentliche Zerfaserung der alten Mächte bedeutet.
Bezahlen wir einen Künstler direkt, geht außerdem kein Geld für große Strukturen verloren. Es wird also weder mehr produziert, als gebraucht wird, noch kann das abgezapfte Geld für die Produktion von bereits etablierten Schemata verwendet werden. Das etablierte Prinzip, eine Firma dafür zu bezahlen, wenigen Auserwählten zu ermöglichen, von ihren kreativen Leistungen zu leben, bedeutete gleichzeitig, dem Konsumenten stets nur einen kleinen Ausschnitt aus der eigentlichen Vielfalt menschlicher Aktivitäten, zum Kauf anzubieten.
Produktionsfirmen funktionieren nämlich im Bereich der Unterhaltung wie eine Art Verstärker und Filter zugleich. Dieses Prinzip könnte theoretisch, wie in jedem anderen Bereich der Gesellschaft, Qualität sichern, indem qualifizierte Menschen eine Vorauswahl treffen und somit Anderen die Arbeit der Auswahl oder eine mögliche Übersättigung ersparen. Da die Größe eines Systems sich jedoch als antiproportional gegenüber dessen Flexibilität erweist und im kapitalistischen System die Profitmaximierung im Vordergrund steht, haben sich große Firmen als unüberwindbare Hürden für die Kreativität der Menschen entwickelt. Eine Ausnahme bilden jene Firmen, die lediglich eine Struktur oder einen Rahmen bieten, um kreative Leistungen zu ermöglichen, jedoch nicht selbst mit Regelmechanismen in die kreativen Prozesse eingreifen.
Die Individualisierung und Tribalisierung wird technisch durch die globale Infrastruktur und weltweit verbreitete Programme, organisatorisch durch multinationale Konzerne eingerahmt.
--Florian Rötzer²
Globalisierung
Auch wenn sich etablierte Senderfamilien im Internet so positionieren mögen, dass sich ihre Sparten und Zielgruppen komplementär ergänzen, stehen sie bereits heute in einem viel breiteren internationalen Wettbewerb mit anderen Mediengruppen und individuellen Medienmachern. Jeder kann von nun an Inhalte produzieren und mit jedem auf der Welt über alles Mögliche kommunizieren. Jedoch verläuft die derzeitige Kommunikationsfreiheit des Individuums größtenteils innerhalb globalisierter Machstrukturen, dessen wenige Profiteure, einen immensen Profit aus den Aktivitäten der einzelnen User erwirtschaften, die selbst nicht direkt an diesen Unternehmen beteiligt sind. Die Macht nationalstaatlicher Medienunternehmen hat sich schon heute, zumindest bezogen auf jüngere Zielgruppen und die Medienelite, zugunsten weltweit operierender, vornehmlich amerikanischer Netzwerkbetreiber, wie Google, Yahoo, MSN und Adobe hin verlagert.
Englischsprachige Nationen haben, auch durch die Vormacht der amerikanischen Lebensart, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, und können bereits heute einen wachsenden globalen Markt bedienen. Mit mehrsprachigen Untertiteln können aber auch nationale Produktionen den globalen Markt relativ effizient ausnutzen. Letztendlich wird sich in der Mediasphäre eine Entwicklung hin zu einheitlichen Sprachen, mit der Flexibilität des Sprachvermögens der Menschen ergänzen. Die unterschiedlichen kulturellen Prägungen mögen dabei oft noch keine Identifikation mit den Produktionsformaten fremder Länder bewirken, aber ein Interesse ist durch deren Andersartigkeit wohl zumindest sichergestellt.
Bildungstechnische Sprachbarrieren und regionale Interessen werden noch über zwei, drei Generationen der Vereinheitlichung der Infosphäre entgegen wirken können. Vielen Sendern werden ihre Zuschauer also zunächst erhalten bleiben. Auch wenn englischsprachige Sender im globalen Wettbewerb einen entscheidenden Vorteil haben, werden die nationalen Senderfamilien, welche eine bekannte Orientierung bieten, regionale Bedürfnisse noch lange befriedigen können. Eine wesentliche Veränderung ergibt sich aber im Bereich der Weiterverkäufe fremder Formate, vor allem der amerikanischen, dessen Macher diese nun selbst über den globalen Sender vertreiben können.
Das niederländische Modell der Untertitelung internationaler Sendeformate, hat sich zur Bewahrung der nationalen Identifikation, im Gegensatz zum deutschen Modell der Synchronisation bewährt. Durch eine Untertitelung bleibt eine fremdsprachige Produktion erkennbar und eine Verwechslung der Kulturwerte durch die Synchronisation wird verhindert. Die andere Kultur bleibt transparent und wird somit lesbar, was den Globalisierungsprozess vorantreibt.
Auch abstraktere Formate, die Informationen weniger mittels Sprache vermitteln, wie wir sie in der Kunst oder im Dokumentarfilm, in reduzierten Beobachterformaten und kommentarlosen Bildberichten finden, besitzen im Globalisierungsprozess einen Vorteil. Die Kunst arbeitet meist mit archetypischen Mitteln, dessen Erscheinungen fähig sind, Menschen überall auf der Welt in Erstaunen zu versetzen. Auch der kommentarlose Blick in dokumentarischen Formaten erlaubt weltweite Identifikation.
Individualisierung
Es bilden sich immer mehr Nischenthemen heraus, … (welche) nur noch gruppenspezifische, am Ende vielleicht nur auf einzelne bezogene Informationen bereitstellen…²
Die Vereinheitlichung von Individual- und Massenmedium zu einem kommunikativen, gesellschaftlichen Bereich im Internet, hat eine Vielfalt und eine Durchmischung der Inhalte zur Folge. Zum einen werden wesentlich mehr Informationen eingespeist, zum anderen sorgt das Nebeneinander der Inhalte im gleichen Medium, für Überlagerungen der Themen, Stile und Arbeitsweisen.
Die vielen individuellen Inhalte sind sich jedoch sehr ähnlich und verwenden meist ähnliche Prinzipien, vieles wird abgekupfert, es gibt wenig originelle Informationen oder Weisen ihrer Vermittlung. Das Internet folgt hier dem Prinzip der Natur, wo funktionierende Prinzipien sich durchsetzen und verbreiten, und Neuerungen selten sind. Dies macht die Stabilität eines Systems aus. In vielen Fällen wird man also im Netz mit einer Masse an gleichwertigen Inhalten bombardiert, was schnell eine gewisse Sättigung zur Folge hat. Die Menschen nutzen die Informationen als Inspirationsquellen für eigene Handlungen, sei es im Netz oder in der physischen Welt, wobei diese dann meist reproduziert werden. Die Prinzipien der Reproduktion werden aber immer auch durch kreative Einzelleistungen erweitert.
Denn die Entwicklung neuer Prinzipien auf der Grundlage der gegebenen Verhältnisse, oder die Anwendung eines Prinzips auf einen neuen Bereich, bleibt Aufgabe und alleinige Fähigkeit des kreativen Individuums, auch in diesem, durch Technologie erweiterten Raum der Kommunikation. Wir sind freier denn je, unsere menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden. Jeder von uns hat Zugang zu allen von anderen Menschen geschaffenen Werten.
"Massenmedien steigern die Irritierbarkeit der Gesellschaft und dadurch ihre Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten." So werde eine allzu starke Bindung an etablierte Strukturen verhindert und Evolution wahrscheinlicher. Wohin diese führt, werden wir zuerst aus den Medien erfahren - falls es spektakulär genug sein sollte.“
--Nils Werber¹
Kommunikation
Das für das Individuum durch die Geschwindigkeit des Wechsels und die Vielzahl der bedeutsamen Zeichen hervorgerufene Flirren, bringt für den Nutzer neuer Technologien zunächst eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich. Diese bedarf einer Gewöhnung, wie jede andere Wahrnehmung auch. Sodann stellt sich das Netz, wenn es dies nicht schon von Anfang an war, als eine ungemein fruchtbare Ressource für die eigenen Interessen heraus.
Oftmals kennzeichnet sich das Spektakel aber vor allem durch die Aktualität der Informationen, wo nur das Neue, Überraschende und Sensationelle Aufmerksamkeit erzeugt. Dieses Schwimmen auf globalen Aktualitätswellen ist die eine Seite eines sich entwickelnden Informationssystems, die Gleichförmigkeit einer globalen Kultur eine andere Tendenz.
Die unglaubliche Dynamik, welche die Informationsverbreitung im Internet erreicht, resultiert aus der heterarchischen, also netzwerkartigen und nicht linear-hierarchischen Struktur des Internets. Die Unkontrollierbarkeit dieser teilweise explosionsartig sich ausbreitenden Informationen, muss einer durch den Begriff der Wahrheit und wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit geprägten Gesellschaft, zunächst natürlich suspekt sein. Auch liegen Meinungen und Tatsachen oft zum verwechseln nah beieinander. In der freien Zirkulation der Informationen verschiebt sich dessen Wert zusehends, von der vertraulichen Quelle, hin zu ihrer inspirierenden Funktion. Es geht immer weniger darum, wer etwas gesagt hat und inwiefern eine Information der Wahrheit entspricht, sondern mehr darum, was ich mit ihr anfangen kann.
Diese Informationsstruktur, in Form eines unkontrollierbaren, dynamischen Prozesses, wird sich aber als der effektivste Kompromiss zwischen Stabilität und Fortschritt erweisen, da er nämlich auch die Gefahr einer destruktiven Steuerung verhindert. Die Erkenntnis, dass Zeichen nicht immer Wahr sein müssen, mag zwar banal sein, doch mediengestützte Kriegskampagnen aller Zeiten haben immer wieder eindrücklich belegt, wie Notwendig ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein hierüber ist. Da sich dieses Bewusstsein, welches z.B. durch die Aufdeckung der Hintergründe von Krieg und Korruption gewonnen wird, aber im Wechsel der Generationen schnell wieder verliert, ist es unabdingbar, dass der Prozess der Informationsverbreitung an sich, nicht kontrollierbar ist. Das gesunde Resultat der vermeintlichen Verunsicherung ist dann, dass keine Information von sich aus den Eindruck absoluter Sicherheit oder Wahrheit mehr erzeugen kann, da wir jede Information grundsätzlich kritisch wahrnehmen, der Begriff der Möglichkeit ersetzt den der Wahrheit, der Nutzwert einer Information steht im Vordergrund und jegliche Absicht, die sich hinter einer Information verbergen könnte, wird stets mitgedacht.
Die Hintergrundrealität der Medien versorgt uns durch ihre heterarchische Struktur mit einer Unmenge an Meinungen und Darstellungen. Diese Multiperspektivität stellt in ihrer Gesamtheit eine Einheit von Überzeugungen und Normen der globalen Gesellschaft dar, dessen Dynamik wesentlich stabiler ist, als jede vermeintliche Sicherheitspolitik. Die Forderung nach Meinungs- und Rezipientenfreiheit, welche die Basis einer Demokratie darstellt, wird somit zusehends verwirklicht. Ob in der neuen Freiheit, über einen globalen Zusammenhalt hinaus, auch die nationalstaatlichen Identifikationsmerkmale erhalten bleiben, muss sich noch herausstellen.
"Nur so", sagt Luhmann, "ist es möglich, die moderne Gesellschaft in ihrem Kommunikationsvollzug endogen unruhig einzurichten wie ein Gehirn und sie damit an einer allzu starken Bindung an etablierte Strukturen zu hindern.“²
Semantik
(Aktuelle) Themen entfalten eine solche Intensität, dass sie bald wieder verschwunden und von neuen ersetzt werden… ihre Ablagerung im Gedächtnis führt gerade nicht zur Reproduktion, sondern zur Vernachlässigung. Nicht Konstanz ist primär, sondern die Mutation. Beibehalten wird das Schema, nicht eine konkrete Gestalt, die sich allmählich wandelt. … ²
Was Florian Rötzer in seinem Aufsatz zur gesellschaftlichen Funktion der Massenmedien als problematischen Aspekt erkennt ist der, dass die Geschwindigkeit des Wechsels und die Intensität aktueller Inhalte, die Ausdifferenzierung eines individuellen oder gesellschaftlichen Zusammenhangs verhindert, da sich Informationen lediglich gegenseitig ersetzen, statt sich sinnvoll zu ergänzen.
Zu hoffen wäre einerseits, dass die interaktive Individualisierung der Themen zur Aufhebung der bestehenden Schemata und zu einer interessengruppenspezifischen Evolution von Formaten und Stilen führt. Auch die Lust an den Zusammenhängen wird durch die Verweisstruktur des Netzes zunehmen und somit den persönlichen Informationsvollzug fördern. Verweise aktueller Programme in die Tiefe des Netzes werden hierzu sicherlich beisteuern können.
Die Masse an zusammenhängenden Informationen, welche sich anhand der Interessen Einzelner entwickelt, bietet, neben den Aktualitäten, im Laufe der Zeit, eine für das gesamte System verwertbare Semantik, dessen Nutzen gegenüber den kurzfristigen Unterhaltungswerten zunimmt.
Das Internet kennt nämlich keine Gegenwart. Informationen werden nicht, wie beim Fernsehen, oder bei Neuauflagen von Büchern, von neuen Informationen ersetzt, sondern ergänzen sich gegenseitig zu semantischen Datenbanken, dessen quantitative Verknüpfungen mit der Zeit qualitative Beurteilungen erlauben. Sicher, zunächst erzeugt eine neue Information einen großen Hype, aber der lässt schnell nach und die Information wird durch eine neue ersetzt, das ist das alte Prinzip ohne Gedächtnis. Im semantischen Prinzip bleiben aber sinnvolle Informationen zum Auffinden und Verknüpfen erhalten, was deren Relevanz im Entwicklungsprozess des Netzes erhöht, wenn diese in immer neue Bezüge gesetzt werden können.